Planung

Die Datenmanagementplanung

Planung im Kontext des Forschungsdatenmanagements (FDM) markiert den Startpunkt eines FDM-Prozesses. Dabei stehen die Forschungsdaten im Zentrum, die in einem Projekt verwendet, bearbeitet und/oder erzeugt werden. Die Planungsphase umfasst die strategische Organisation der Datensammlung, -dokumentation, -organisation und -aufbewahrung.

Ein zentrales Instrument in diesem Zusammenhang ist der Datenmanagementplan (DMP). Dieser Plan stellt sicher, dass alle Aspekte der Datenverwaltung abgedeckt sind, von der Datenerhebung bis zur Langzeitarchivierung. Förderinstitutionen legen zunehmend Wert auf einen detaillierten und durchdachten DMP als Teil des Antragsprozesses. Die Planungsphase legt somit den Grundstein für eine effektive und verantwortungsbewusste Handhabung von Forschungsdaten im gesamten Verlauf eines Projekts.

Tool zur Erstellung von Datenmanagementplänen mit einem Fragenkatalog ausgerichtet an die Anforderungen der DFG - RDMO (NFDI4Ing)

  • Beginn eines FDM-Prozesses

  • Zentrales Element sind Forschungsdaten, die in einem Projekt benutzt, bearbeitet und/oder erzeugt werden

  • Planung der Sammlung, Dokumentation, Organisation und Aufbewahrung dieser Daten

  • Förderinstitutionen erwarten einen ausgearbeiteten DMP

Zweck der Planung

Die Planung im Forschungsdatenmanagement erfüllt verschiedene zentrale Zwecke. Erstens zielt sie darauf ab, die langfristige Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Daten sicherzustellen. Durch eine strukturierte Planung werden Forschungsdaten so verwaltet, dass sie über den unmittelbaren Projektzeitraum hinaus erhalten bleiben und für künftige Nutzung zur Verfügung stehen.

Zweitens erleichtert eine frühzeitige Planung die Einhaltung von Datenpflege-Richtlinien. Diese Integration unterstützt die Qualität und Integrität der Daten über den gesamten Forschungsprozess hinweg, da von Anfang an die notwendigen Maßnahmen berücksichtigt werden können.

Drittens fördert eine solide Planung die Transparenz und Offenheit in der Forschung. Sie unterstützt die Verantwortung, öffentlich finanzierte Forschungsprodukte der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und trägt somit zur Vertrauensbildung und Rechenschaftspflicht in der Wissenschaft bei.

Schließlich trägt die transparente und offene Bereitstellung von Forschungsdaten zum Return on Investment bei. Dies bedeutet, dass durch die Zugänglichkeit vorhandener Daten neue Forschungsmöglichkeiten geschaffen werden und gleichzeitig verhindert wird, dass unbeabsichtigte Redundanzen in der Forschung entstehen.

Zusammenfassend dient die Planung im FDM dazu, den Wert der Forschungsdaten zu maximieren, die Effizienz in der Forschung zu steigern und die Integrität der wissenschaftlichen Praxis zu unterstützen.

  • Daten langfristig zugänglich und nutzbar machen

  • Frühzeitige Planung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass in weiterer Forschung Datenpflege-Richtlinien eingehalten werden

  • Transparenz und Offenheit

  • Return on Investment

Aktivitäten der Planung

Die Aktivitäten der Planung im Rahmen des FDM umfassen verschiedene wichtige Schritte. Die primären Funktionen der Planung bestehen darin, geeignete Methoden auszuwählen und einen angemessenen Förderrahmen für das Forschungsprojekt festzulegen. Ein zentraler Aspekt ist die Ausarbeitung eines Datenmanagementplans, der die Anforderungen des FDM berücksichtigt. Hierbei kann das nützliche Tool RDMO als unterstützendes Instrument dienen, um einen strukturierten Plan zu erstellen.

Die Klärung ethischer und rechtlicher Rahmenbedingungen spielt eine bedeutende Rolle innerhalb der Planungsaktivitäten. Diese umfassen die Auseinandersetzung mit Fragen zur Datenverarbeitung, zum Datenschutz und zur Datennutzung, um sicherzustellen, dass alle relevanten Vorschriften und Bestimmungen beachtet werden.

Ein weiterer essentieller Schritt ist die Zuweisung von Verantwortlichkeiten und die Festlegung spezifischer Rollen im Zusammenhang mit dem FDM. Diese klare Aufgabenverteilung gewährleistet, dass die Handhabung der Forschungsdaten auf verantwortungsbewusste Weise erfolgt und alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden.

Ebenfalls integral ist die Prüfung der Möglichkeit zur Nachnutzung bereits bestehender Daten. Dieser Schritt trägt dazu bei, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen, die Forschungseffizienz zu steigern und unbeabsichtigte Redundanzen zu vermeiden.

Zusammengefasst beinhalten die Aktivitäten der Planung eine Bandbreite von Schritten, die sicherstellen sollen, dass Forschungsdaten gemäß bewährter Praktiken verwaltet werden. Gleichzeitig werden ethische und rechtliche Anforderungen erfüllt und eine klare Struktur für den Verlauf der Forschungsarbeit etabliert.

  • Primäre Funktionen sind Methodenauswahl und Festlegung eines adäquaten Förderrahmens

  • Datenmanagementplan unter Rücksichtnahme der Anforderungen ausarbeiten

  • Klärung der ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen

  • Verantwortlichkeiten und spezifische Rollen für FDM müssen geklärt werden

  • Prüfung auf Möglichkeit zur Nachnutzung bestehender Daten

Trainingsmaterialien: Planung des Forschungsvorhabens [1]

Animiertes Reifegradmodell

BPMN-Planung

Reifestufen

Level

Reifestufe

Charakteristik

Level 1

Einstieg

Die Planung des FDM wird

intuitiv und ad hoc ausgeführt.

Es sind keine festgeschriebenen Arbeitsabläufe

für das FDM im Rahmen der Planung auf

Projektebene beschrieben.

Es sind keine Werkzeuge und Software, die im

Rahmen des FDM für die Planung eingesetzt werden,

festgelegt.

Level 2

Geführt

Es werden auf Projektebene die datenmanagementbezogenen

Inhalte der Planung festgelegt und durchgeführt.

Es werden auf Projektebene notwendige Ressourcen

für das FDM im Rahmen der Planung definiert und

eingesetzt.

Forschende wissen, wie die Datenmanagementplanung

durchgeführt werden soll und es stehen notwendige

Ressourcen zur Verfügung.

Level 3

Definiert

Die datenmanagementbezogenen Inhalte der

Planung werden nach domänenspezifischen

Standards und Richtlinien ausgelegt.

Es werden in der Domäne etablierte Tools und Werkzeuge

für das FDM im Rahmen der Planung identifiziert und

angewendet.

Forschende orientieren die Datenmanagementplanung an

domänenspezifischen Standards und etablieren diese

in der Umsetzung im Rahmen des Projektes.

Level 4

Quantitativ geführt

Es werden Qualitätskriterien für die Planung definiert

und etabliert.

Die datenmanagementbezogenen Inhalte der

Planung werden auf Basis der definierten

Qualitätskriterien hin gesichert.

Forschende sichern auf Datenmanagementebene die

Umsetzung der Planung hinsichtlich definierter

Qualitätskriterien.

Level 5

Optimierend

Auf Datenmanagementebene wird die Umsetzung der

Planung proaktiv optimiert und kontinuierlich verbessert

(inhaltlich und technisch).

Es werden Best Practices und Verbesserungen für

das FDM in der Planung entwickelt und mit der

domänenspezifischen Community geteilt.

Level 1

  • Die Datenmanagementplanung läuft intuitiv ab

  • Es wird intuitiv ein DMP erstellt und ausgefüllt (ad hoc)

  • Die Ausführung ist abhängig von individuellen Motivation der Forschenden

Level 2

Ziele

Praktiken

Empfehlungen/weitere Materialien

1.2.1 (methodisch)

Ich kenne bis zum Projektstart, Anforderungen und

Vorgaben des/der Stakeholder bezüglich des FDM in

meinem Projekt.

Ich nutze die Informationsmaterialien des/der

Stakeholder, um die Anforderungen und Vorgaben für meine

Forschungsmethode(n) im Projekt zu ermitteln.

Zum Teil gibt es an Ihrer Universität oder Forschungseinrichtung Leitlinie zum Forschungsdatenmanagement.

Gleiches gilt für Fördergeber, bspw. die DFG

1.2.2 (methodisch)

Ich plane bis zum Projektstart eine DMP-Vorlage, die

relevante Kernbereiche des FDM in meinem Projekt

erfasst (Beschreibung, Dokumentation,

Speichern/Sichern, Recht/Ethik, Archivierung,

Verantwortlichkeiten/Ressourcen).

Ich benutze eine DMP-Vorlage des/der Stakeholder, um den

DMP für mein Projekt zu erstellen.

Ich erstelle eine eigene DMP-Vorlage, um den DMP für mein

Projekt zu erstellen (unter Beachtung der Anforderungen

und Vorgaben; Beachte relevante Kernbereiche).

1.2.3 (methodisch)

Ich plane bis zum Projektstart die Arbeitsabläufe im

FDM für mein Projekt (für Ziele, Prioritäten und den

Umfang des FDM; Bezug zu vorher definierten

Kernbereichen der Vorlage).

Ich plane und definiere Strategien zur Steuerung der

Arbeitsabläufe in den Kernbereichen meines DMP (Inhalte

sowie benötigte Ressourcen für die Kernbereiche).

1.2.4 (technisch)

Ich erstelle bis zum Projektstart meinen DMP mit einem

ausgewählten Werkzeug (basierend auf der DMP-Vorlage

mit Anforderungen und Vorgaben).

Ich benutze für die Erstellung des DMP ein vom

Stakeholder vorgegebenes Werkzeug (Hard- oder Software).

ODER

Zum Teil werden Ressourcen und FDM-Systeme

von Ihrer Universität oder Forschungseinrichtung empfohlen oder betrieben,

richten Sie sich an ihre FDM-Beratungstelle

Ich benutze für die Erstellung des DMP ein von mir

ausgewähltes Werkzeug (Hard- oder Software).

Level 3

Ziele

Praktiken

Empfehlungen/weitere Materialien

1.3.1 (methodisch)

Mein FDM bezieht bis zum Projektstart neben den

Anforderungen und Vorgaben des/der Stakeholder auch

domänen- und communityspezifische Standards im Rahmen

des Projekts ein.

Ich identifiziere Standards in der Domäne und Community

für relevante FDM-Bereiche in meinem Projekt (Bezug zu

Forschungsmethode(n) im Projekt).

1.3.2 (methodisch)

Ich besitze bis zum Projektstart eine DMP-Vorlage, die

auf domänen- und communityspezifische Standards

basiert.

Ich benutze eine DMP-Vorlage, die auf genutzten Standards

des/der Stakeholder basiert

(standardisierte DMP-Vorlage).

Ich erstelle eine DMP-Vorlage, die domänen- oder

communityspezifische Standards für die

Forschungsmethode(n) in meinem Projekt einbezieht (unter

Beachtung der Anforderungen und Vorgaben).

1.3.3 (technisch)

Ich plane bis zum Projektstart, die Arbeitsabläufe im

FDM für mein Projekt nach domänen- oder

communityspezifischen Standards.

Ich plane und definiere Strategien zur Steuerung der

Arbeitsabläufe basierend auf domänen- oder

communityspezifischen Standards.

1.3.4 (technisch)

Ich erstelle bis zum Projektstart meinen DMP mit einem

domänen- und communityspezifischen Werkzeug.

Ich benutze für die Erstellung des DMP ein in der Domäne

oder Community etabliertes Werkzeug

(Hard- oder Software).

Ich wähle für die Erstellung des DMP ein Werkzeug aus,

das mit domänen- und communityspezifischen Standards

konform ist (Hard- oder Software).

Level 4

Ziele

Praktiken

Empfehlungen/weitere Materialien

1.4.1 (methodisch)

Mein DMP ist während des Projekts ein lebendes

Dokument und wird laufend anhand von Qualitätszielen

aktualisiert und mit Tools angepasst.

Ich beginne mit der Erstellung des DMP vor der

Datenerhebung und aktualisieren ihn, sobald genauere

Informationen zu Datentypen, -quellen, -volumen und

-formaten bekannt werden.

Ich erstelle und pflege ein Revisionsprotokoll, das

Änderungen des DMP im Zuge des Projekts erfasst.

Ich definieren im DMP klar die Rollen und

Verantwortlichkeiten für alle FDM-Aufgaben,

einschließlich der DMP-Überwachung und -Aktualisierung.

1.4.2 (methodisch)

Ich identifiziere und operationalisiere

Qualitätsziele, die von der Funktion und dem Kontext

des FDM abhängen und ein möglichst hohes Maß an

Objektivität besitzen (inhaltliche Relevanz;

Bezug zu Anforderungen der Stakeholder und Community).

Ich identifiziere und etabliere explizite

Qualitätskriterien für den DMP in meinem Projekt, die

innerhalb der Community ausgehandelt und anerkannt sind.

Ich integriere Verfahren zur Qualitätssicherung des DMP,

die von der Community oder den Förderorganisationen

geforderten oder anerkannt sind.

Ich lasse den DMP basierend auf den Qualitätskriterien

durch Fachpersonal/externe Prüfer evaluieren.

1.4.3 (methodisch)

In meinem FDM gibt es bis zum Projektstart klare und

messbare Qualitätsziele, die in meiner Community

anerkannt sind und mit denen ich die Qualität des DMP

in meinem Projekt messen kann (Vollständigkeit; Bezug

zu Strategie).

Ich nutze für die Bewertung der Kernbereiche im DMP

Messkriterien, die in der Community oder durch

Fördergeber anerkannt und etabliert sind (Fragebögen,

Checklisten, etc.).

Ich definiere qualitative und quantitative Messkriterien

für die Kernbereiche des DMP, mit denen ich den Ist- und

Soll-Zustand evaluieren kann.

Ich implementiere einen Qualitätsmessprozess zur

Überprüfung des DMP (Aufnahme Ist-Zustand, Messung der

Kernbereiche, Analyse der Messergebnisse,

Berichterstattung und Diskussion der Ergebnisse innerhalb

einer Expertengruppe).

1.4.4 (technisch)

Ich besitze bis zum Projektstart Werkzeuge zur

Qualitätsprüfung des DMP im Projekt.

Ich nutze für die Erstellung und Pflege des DMP

(digitale) DMP-Tools, die eine kontinuierliche

Aktualisierung und ein aktives Datenmanagement

unterstützen.

Level 5

Ziele

Praktiken

Empfehlungen/weitere Materialien

1.5.1 (methodisch)

Ich trage aktiv und dauerhaft zur dynamischen

Entwicklung von Standards, Best-Practices und

Verbesserungen für die Planung des FDM in der

Community bei.

Ich achte auf die Einhaltung expliziter

Qualitätsstandards und beteilige mich an der Entwicklung

neuer Standards für die Planung in der Community, sofern

eine Lücke hinsichtlich dieser besteht.

Ich trete Arbeitsgruppen und Konsortien bei, die bei der

Entwicklung und Austausch des FDM mitwirken.

Ich teile und diskutiere Arbeits(zwischen-)Ergebnisse und

DMP-Vorlagen für die Planung aktiv mit der Community.

Ich wirke bei dem Erstellen und Teilen von

Fragenkatalogen zum Fachbereich meiner Forschungsmethode

mit.

1.5.2 (methodisch)

Ich optimiere und verbessere kontinuierlich meine

methodischen und technischen Ziele, im Rahmen der

Planung des FDM auf DM-Ebene.

Ich nutze kontinuierlich alle mir zur Verfügung stehenden

Kompetenzen und Ressourcen in der Domäne oder Community,

um mein FDM auf den neusten Stand aufzuarbeiten.

Checkliste

Weiterführende Materialien

Auf der Internetseite Forschungsdaten.info sind weiterführende Informationen zu finden.

DFG Umgang mit Forschungsdaten

Planungstool RDMO (NFDI4Ing)

Referenzen

[1] Diese Trainingmaterialien sind entstanden im Rahmen der NFDI4Ing Special Interest Group RDM Training & Education.